Ein bundesweit führender Ort der Hoffnung für Suchtkranke

29. Jun. 2020

 

Bad Aibling, Lkrs. Rosenheim – Sie hätte eine große Eröffnungsfeier verdient – doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Die neue Fachklinik Alpenland des Deutschen Ordens in Bad Aibling nahm ihren Betrieb ohne Festlichkeiten auf. Dabei gehört sie zu den bundesweit führenden Fachkliniken für Suchtkranke, die illegale Drogen konsumieren. Die Region hat diese Einrichtung nötig. „Die Drogenszene auch im Raum Rosenheim ist heftig“, sagte Chefarzt Dr. Max Braun der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten und Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig bei einem Gespräch in den neuen Räumlichkeiten. „Wir haben viele so genannte Polytox-Erkrankte, also Männer und Frauen, die alle möglichen Drogen völlig durcheinander einnehmen. Der reine Heroin-Abhängige ist inzwischen selten. Es sind schlimme Fälle, gerade auch bei jungen Menschen, die mich sehr beschäftigen.“ Das sei auch bundesweit der Trend, bekräftigte Daniela Ludwig. „Partydrogen sind massiv im Kommen. Man kann sie im Internet bestellen – ohne Dealer. Das ist brandgefährlich, weil die Konsumenten gar nicht wissen, was sie sich einwerfen. Dieser Trend ist besorgniserregend.“ Gemeinsam mit Bürgermeister Stephan Schlier und Kurdirektor Thomas Jahn machte sich die heimische Wahlkreisabgeordnete vor Ort ein Bild von der Fachklinik. Diese gehört zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die vorwiegend Konsumenten illegaler Drogen die Chance einer Therapie geben.

 

 

Sechs Monate bleiben die Rehabilitanden hier. 86 Männer und Frauen werden auf fünf Stationen überwiegend in Einzelzimmern betreut. Die Therapien sind vielfältig. Neben der Sucht- und Psychotherapie können die Suchtkranken in der modernen Schreinerei oder Schlosserei arbeiten, sie können im Garten oder im Verkauf / Büro mithelfen, und das Highlight ist die tiergestützte Therapie mit den Alpakas. „Wichtig ist es, den Menschen wieder eine Tagesstruktur zu geben“, so Dr. Braun. „Das betrifft besonders die jungen Männer auf unserer Station 1, die teilweise auch Probleme mit der Justiz hatten. Für sie gilt oft, entweder hier durchhalten, oder zurück in die Justizvollzugsanstalt zu müssen.“ Für die Suchtkranken steht ein hoch qualifiziertes Fachpersonal bereit – vom Arzt über Psychologen, Suchttherapeuten, Sporttherapeuten bis hin zu Ergotherapeuten, Pflege und Diätassistenten. Während auf Station 3 eher Alkoholkranke und auf Station 4 die Frauen untergebracht sind, wohnen auf Station 2 junge Männer, die neben ihrer Drogenabhängigkeit auch an psychischen Erkrankungen wie Psychosen leiden – oft durch Cannabiskonsum ausgelöst. „Ich erlebe hier Menschen, die durch Cannabis irreparable Gehirnschäden haben“, so Dr. Braun. „Im Alter von 12 bis 22 Jahren reift das Gehirn des Menschen. Cannabiskonsum kann Synapsen im Gehirn schwer beschädigen.“ Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung wird Daniela Ludwig nahezu täglich mit dem Thema Cannabis konfrontiert. „Was mir Sorgen bereitet. Die Erstkonsumenten werden immer jünger. Jeder zehnte Cannabiskonsument macht die ersten Erfahrungen mit dieser Droge im Alter von 12 bis 13 Jahren. Die Jugendlichen wissen nicht, was sie sich antun.“ Aus diesem Grund hat Ludwig durchgesetzt, dass die Bundesregierung im August eine groß angelegte Aufklärungskampagne zu Cannabis startet. Sechs Monate haben Ärzte und Therapeuten in der Fachklinik Zeit für ihre Therapien. „Das ist eigentlich zu kurz“, betonte Dr. Braun. „Wir bräuchten zwei Jahre. Da waren wir auch schon mal. Doch durch zahlreiche Gesundheitsreformen wurde die Therapiezeit auf sechs Monate gekürzt.“ Mit Bewerbungstrainings oder Praktika versucht die Klinik, die Rehabilitanden auf ihre Rückkehr ins Leben vorzubereiten. Und die Erfolgsquote? „Die liegt bei 50 Prozent. Die Hälfte hält durch bis zum Schluss“, so der Klinikchef. „Wir wissen aber von der Rentenversicherung, dass von ihnen wiederum die Hälfte nach zwei Jahren immer noch einen sozialversicherungspflichtigen Job hat. Da sehen wir, dass unsere Arbeit Sinn macht. Und das freut mich.“

 

Daniela Ludwig hält Einrichtungen wie die Fachklinik Alpenland für unersetzlich. „Früher starben Drogenabhängige früh. Heute leben sie dank medizinischer Hilfe viel länger. Die Suchtkranken hier haben noch ein langes Leben vor sich. Wir müssen alles dafür tun, um ihnen die Chance auf ein glückliches und drogenfreies Leben zu geben.“ 

 

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