Senioren-Union greift das heiße Thema „Stadtbild“ auf

Im neuen Gesprächs-Format der Senioren-Union Rosenheim „Kaffee, Kuchen, Kontroversen“ stand aktuell das heiße Thema „Stadtbild – Können wir uns in Rosenheim sicher fühlen?“ zur Diskussion. Reinhard Tomm, Polizeidirektor a.D. (67), stand als Experte zur Verfügung und beantwortete kompetent und umfassend alle Fragen. Seit 2020 sitzt er für die CSU im Stadtrat. Nachfolgend ein Kurzbericht und ein Interview mit dem Stadtrats-Kandidaten Reinhard Tomm.

Wie erwartet, wurden im geschlossenen Kreis leidenschaftlich und kontrovers, offen und ohne Maulkorb die Probleme beim Namen genannt. Alle Anwesenden hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Besonders brisant: Die öffentliche Sicherheit an Hotspots, nach Einbruch der Dunkelheit, in Parkhäusern. Speziell Frauen fühlten sich hier nicht wohl. Mit Video-Überwachung an neuralgischen Punkten, LED-Lichtern und einem neuen Ordnungsdienst stemmt sich die Stadt dagegen. Klaus Kiermaier, Vorstandsmitglied der Senioren-Union, moderierte im neu eröffneten Café Håvn umsichtig und souverän die stellenweise hitzige Diskussion.

Im Interview mit Reinhard Tomm, Polizeidirektor a.D. (67), werden die wesentlichen Aspekte kurz zusammengefasst.  Tomm kennt sich in der Kommunalpolitik aus. Seit 2020 sitzt er für die CSU im Stadtrat und hat besonders die innere Sicherheit der Stadt Rosenheim im Auge.

Frage: Wie sicher können wir uns denn in unserer Stadt fühlen?

Tomm: Nach den vorliegenden Zahlen und im Vergleich mit anderen Städten können wir uns in Rosenheim sehr sicher fühlen. Gleichwohl kann ich nachvollziehen, dass sich Bürger in bestimmten Hotspots oder bei Dunkelheit nicht sicher fühlen. Die gefühlte Sicherheit ist auch bei Frauen und Männern, bei Jung und Alt, sehr unterschiedlich.

Frage: Was kann die Stadt konkret veranlassen, um die Sicherheit zu erhöhen – gerade für Frauen?

Tomm: An drei neuralgischen Punkten haben wir Videoüberwachung, eine weitere Video-Kamera soll folgen. Doch da sind wir auf die Zustimmung der Hausbesitzer angewiesen. Im Stadtrat haben wir uns mit allen Parteien im Stadtparlament gerade geeinigt, ein Konzept für einen Ordnungsdienst, eine Sicherheitswacht, zu erarbeiten. Ich bin dafür, dass dieser Dienst durch seine Kleidung optisch sofort erkennbar sein muss, und bei der Polizei angesiedelt ist.

Frauen bemängeln oft die schlechte Beleuchtung auf Gehwegen oder in Parkhäusern. Auch das müssen wir im Auge behalten. Da sind wir auf einem guten Weg: So tauschen wir alte Birnen gegen LED-Leuchten aus, die wesentlich heller strahlen und weniger Energie verbrauchen. Und gleichzeitig halte ich es für unerlässlich, in Parkhäusern mehr Plätze für Fahrerinnen vorzuhalten.

Problematisch ist die Zeit nach 22 Uhr, die Zeit der Nachtschwärmer. Hier kommt es – oft wegen Alkoholgenusses – zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen. Das ist aber eine andere Klientel als Konzertbesucher auf dem Nachhauseweg.

Frage: Fehlt Rosenheim der Glow, der Glanz?

Tomm: Die Frage zielt wesentlich auf das optische Erscheinungsbild. Das kann man immer verbessern. Im Frühjahr startet wieder die Saison für „Rosenheim blüht auf“. Aber Zigarettenkippen, einfach weggeworfener Müll – da appelliere ich an die Stadtgesellschaft, Zivilcourage zu zeigen. Was auch viele Bürger tun. Aber bitte nicht so weit gehen, sich selbst zu gefährden!

Frage: Wie sollte unsere Stadt im Idealfall aussehen?

Tomm: Da hat jeder eine andere Vorstellung. Alle Bürger wünschen sich wohl eine Stadt, die sauber ist und hygienische Toiletten bereit hält, und in der es sich gut leben lässt, die Chancen bietet und Schutz vor Übergriffen gewährt. Das hängt aber auch von uns ab, indem wir persönlich aufeinander zugehen und gemeinsam ,Stadt‘ bilden.

 Interview: Sigrid Knothe. Bilder: Sigrid Knothe und Silvia Tomm