Rückblick auf eine lange Amtsperiode: Sechs Jahre Gemeinderat Stephanskirchen

Die aktuelle Wahlperiode neigt sich für die 24 im Jahr 2020 gewählten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte langsam dem Ende zu – denn im März 2026 wird neu gewählt. Hinter ihnen liegen mehr als 70 mehrstündige Gemeinderatssitzungen sowie mehrere Hundert Ausschusssitzungen. Eine Zahl, die eindrucksvoll zeigt: Es wurde nicht nur viel und lange diskutiert, sondern auch viel bewegt.

Foto: www.sissirichter.de

Rückblickend fällt die Bilanz erfreulich positiv aus – und das trotz mancher politischer Reibung, die zu einem funktionierenden Gremium eben dazugehört. Bei einem kühlen Bier nach der Sitzung, oft kurz vor Mitternacht, konnten die erhitzten Köpfe jedoch schnell wieder abgekühlt werden.

Erfolge trotz Mehrheitsprinzip

Die CSU-Fraktion, vertreten durch vier Gemeinderäte, konnte zwar nicht jeden Wunsch durchsetzen – schließlich entscheidet am Ende die Mehrheit. Dennoch wurden zahlreiche wichtige Projekte realisiert, die die Entwicklung der Gemeinde nachhaltig prägen.

Erfreulicherweise wurden rund 70 % der Beschlüsse im Gremium einstimmig gefasst. Das spricht entweder für die Sachlichkeit der Entscheidungen oder für die Überzeugungskraft der jeweiligen Redner – im besten Fall für beides.

Immobilienpolitik: Kaufen, um gestalten zu können

Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war der gezielte Erwerb von Immobilien und Flächen. Ziel war es, Handlungsspielräume für aktuelle und zukünftige Projekte zu schaffen. In Haidholzen und Schlossberg konnte die Gemeinde ältere Wohnhäuser erwerben, die künftig beispielsweise Platz für medizinische Versorgung, einen erweiterten Kindergarten oder andere öffentliche Nutzungen bieten.

Auch der Kauf landwirtschaftlicher Flächen war strategisch klug: Er ermöglicht der Gemeinde mehr Flexibilität bei künftigen Tauschverhandlungen – ein oft unterschätztes, aber kommunalpolitisch ausgesprochen nützliches Werkzeug. Darüber hinaus wurden Grundstücke für Einheimische ausgewiesen sowie Gewerbeflächen für örtliche Betriebe gesichert.

Wirtschaft: Ohne Einnahmen kein Sozialstaat – auch kommunal

Die heimischen Unternehmen sollen stabile Zukunftsperspektiven haben, dazu gehören gute Standorte. Die Gemeinde weiß: Eine gesunde lokale Wirtschaft ist das Fundament für solide Steuereinnahmen. Und ohne diese wiederum bleibt der kommunale Handlungsspielraum so eng wie eine Parklücke in der Salzburger Straße.

Bedauerlicherweise konnte ein Nahversorger für Haidholzen trotz aller Bemühungen nicht zurückgewonnen werden. Oft scheitert es schlicht an geeigneten Flächen oder an den Interessen potenzieller Betreiber – Kommunalpolitik ist eben nicht die Kunst des Wünschens, sondern die der Möglichkeiten.

Demografischer Wandel: Auch Stephanskirchen wird älter

Nicht nur bundesweit, sondern auch in Stephanskirchen ist der demografische Wandel angekommen. Der Wunsch nach verlässlicher und hochwertiger Betreuung im Alter wächst – und die Gemeinde hat hier bereits vorgesorgt. Mit den Pflegeeinrichtungen in Schlossberg und Haidholzen wurde ein wichtiger Grundstein gelegt; die aktuelle Versorgung gilt als gesichert. Die Zukunft mag älter werden – aber gut versorgt.

Feuerwehren: Mehr Einsatzkräfte, moderne Ausstattung

Die Feuerwehren der Gemeinde präsentieren sich gut aufgestellt – erfreulicherweise zunehmend auch mit weiblicher Verstärkung. Neben dem Teamgeist spielt die Ausstattung eine entscheidende Rolle. Der Gemeinderat hat daher hohe Investitionen in Geräte und neue Feuerwehrfahrzeuge beschlossen (insgesamt 2,4 Mio. Euro für Neufahrzeuge).

Ein großes Projekt steht noch an: der Neubau des Feuerwehrhauses in Schlossberg. Das dafür erworbene, ideal gelegene Grundstück bildet die Grundlage für eine zentrale, einsatzoptimierte Lösung und entlastet gleichzeitig die Anwohnerinnen und Anwohner bei Lärm- und Verkehrsbelastungen. Die Planung dieses Feuerwehrhauses wird die kommende Amtsperiode maßgeblich prägen.

Wohnbebauung und Infrastruktur: Gute Nachrichten, kleine Sorgen

Neue, bürgerfreundliche Wohnbebauungen wurden angestoßen. Am Tulpenweg zeigte sich, dass die befürchtete Verkehrsbelastung ausblieb – manchmal irrt selbst der Pessimist.

Sorgen bereitet hingegen die Fertigstellung der gemeindeeigenen Wasserversorgung. Technische, bürokratische und personelle Hürden mussten überwunden werden. Inzwischen befindet sich das Projekt jedoch auf der Zielgeraden: Der Kauf der Wasserbehälter ist beschlossen, das Baugrundstück gesichert, Leitungen werden verlegt – Wasser marsch.

Neues Großprojekt: Das Radverkehrskonzept

Die Gemeinde möchte fußgänger- und fahrradfreundlicher werden – ein Ziel, das breite Unterstützung findet. Ob allerdings jeder Wunsch realisierbar ist, bleibt abzuwarten. Die Realität vor Ort ist eben manchmal so widerspenstig wie ein rostiges Fahrradschloss.

Die Salzburger Straße ist dabei ein besonderer Brennpunkt: Für einen sicheren Rad- und Gehweg fehlt schlicht der Platz. Dennoch muss eine Lösung gefunden werden, die sowohl Radfahrern als auch dem Pkw-Verkehr gerecht wird. Denn niemand möchte Staus, Konflikte oder Abgaswolken – weder im Auto noch auf dem Rad.

Entscheidend bleibt das Miteinander: Rücksichtnahme, Kompromissbereitschaft und das Bewusstsein, dass Verkehr nur gemeinsam funktioniert. Die starke Bürgerbeteiligung wird dafür eine solide Grundlage schaffen.

Ausblick

Der Brenner-Basistunnel, dessen geplante Route das Gemeindegebiet kreuzt, bleibt für Stephanskirchen eine erhebliche Herausforderung. Zwar soll der Abschnitt bei uns überwiegend unterirdisch verlaufen – ein Umstand, der viele Bürgerinnen und Bürger zu der Annahme verleitet, die Belastungen seien daher überschaubar. Leider ist dies ein Trugschluss. Die über viele Jahre andauernden Bauarbeiten werden Landschaft und Lebensqualität spürbar beeinflussen.

Der Bundestag wird im Herbst 2026 über die endgültige Streckenführung beraten. Wir müssen diesen Termin abwarten und sind gespannt, ob sich die Kosten nicht doch „überirdisch“ hoch gestalten.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Stephanskirchen kann Herausforderungen meistern – und neue werden sicher nicht lange auf sich warten lassen. Mit Optimismus, Sachverstand, einer Prise Gelassenheit und verantwortungsvollem Handeln sollte aber auch das künftig gelingen.

In diesem Sinne bedankt sich die CSU-Fraktion für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger und blickt mit Zuversicht auf die kommenden Aufgaben in unserer Gemeinde.

Ihre CSU-Fraktion im Gemeinderat Stephanskirchen

Günther Juraschek
Jacqueline Aßbichler
Thomas Hoffmann
Georg Dörfler