Wird Pflege zum Luxusgut?
„Kaffee, Kuchen, Kontroversen“: In diesem neuen Format der Senioren-Union (SEN) Rosenheim diskutierte erstmals offen und frei von Tabus nur Mitglieder unter der Moderation von Vorstandsmitglied Werner Ebersberger im Gasthaus Zum Santa.
Das Thema: „Wird Pflege zum Luxusgut?“ Offen sprachen die Teilnehmer über fehlende Pflegeplätze für Hochbetagte und Demenzkranke sowie über das bislang ungelöste Problem der Finanzierung von Senioren- und Pflegeheimen. Heimkosten steigen ständig, der Staat kommt an seine Grenzen und die notwendige Eigenbeteiligung überschreitet immer öfter die finanziellen Möglichkeiten vieler Senioren. Sie sind bereit, ihre Reserven bis zu einem gewissen Grad aufzubrauchen, doch „unser Vermögen haben wir angespart, mit versteuertem Geld, um unseren Kindern etwas zu hinterlassen“, so etliche der Teilnehmer der Gesprächsrunde. Dass diese Rücklagen nun komplett für Pflege im Alter aufgebraucht werden sollen, stößt zunehmend auf Kritik von Seiten der Senioren. Ihre Forderung an die Politik: Endlich das Rentensystem nachhaltig zu reformieren.
Dazu kam ein bunter Strauß an Reform-Vorschlägen zur Sprache: von mehr Eigenvorsorge der Jungen über die Einbeziehung aller Berufsgruppen, die in den Rententopf einzahlen, von länger arbeiten bis aktienfinanziert. Gleichzeitig wurde klar, dass der Konsens von jung und alt unbedingt erhalten bleiben müsse. „Die Last der Rentenfinanzierung müssen wir gemeinsam tragen“, so die Forderung der Teilnehmer. Und schließlich wurde klar: „Die Rentenreform muss angepackt werden, auch wenn sie für viele schmerzlich wird. Ein weiter Durchwurschteln darf es nicht geben.“ Die konkrete Forderung an die Politik: „Fangt endlich an!“
Wegen fehlender Pflegekräfte sei die Situation in den Seniorenheimen häufig problematisch. Vorbildlich seien nur wenige. Um sich konkret zu informieren, hatte die Senioren-Union Rosenheim unter der Leitung von Sigrid Knothe im Sommer zu einer Besichtigungstour eingeladen. Fazit: „So selbstständig leben auch im Alter wie möglich, so viel Hilfe wie nötig.“ Dass sich Senioren gegenseitig unterstützen und helfen müssen – auch aus Kostengründen – das propagiert die SEN Rosenheim seit geraumer Zeit unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Im Januar ist die nächste Runde von „Kaffee, Kuchen, Kontroversen“ geplant.