Wie sieht eine seniorengerechte Stadtentwicklung aus? | Bild: Barabas Attila © Fotolia Wie sieht eine seniorengerechte Stadtentwicklung aus? | Bild: Barabas Attila © Fotolia

Senioren-Union (SEN) hinterfragt seniorengerechte Stadtentwicklung

11. Jan. 2016

Fast übersehen wird ob der alles beherrschenden Diskussion betreffs des islamischen Terrors, der Euro-Krise oder der kaum zu stemmenden Flüchtlingssituation, dass auch andere uns durchaus nahe liegende, gesellschaftspolitische Probleme zur Bewahrung und zum Erhalt unserer Sozial- und Wohlfahrtsmodelle nicht „ad acta“ gelegt werden dürfen.

Der demografische Wandel und Paradigmenwechsel in Zusammenhang mit einer seniorengerechten Stadtentwicklung zählt zweifelsfrei dazu.

Darüber, wie dieser demografische Prozess vor Ort von statten gehe, das wollten kürzlich die Mitglieder der Rosenheimer CSU-Senioren-Union Rosenheim-Stadt aus erster Hand, nämlich von Helmut Cybulska, Dezernent für Stadtplanung, Umwelt und Bauwesen, in einer gut besuchten Veranstaltung im Gasthaus „Höhensteiger“ in Westerndorf-St. Peter wissen.

Am Anfang seines Vortrages betonte Referent Cybulska einerseits die Chancen einer alternden Gesellschaft und andererseits die besonderen Lasten und Herausforderungen, die mit dem demografischen Wandel verbunden seien. So verändere sich die Altersstruktur in Rosenheim dahingehend, dass es immer mehr „Junge Alte in der Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen gibt, die zwar nicht mehr im Arbeitsprozess stehen, aber als aktive Senioren gelten. Der Anteil der über 54-Jährigen in der Rosenheimer Bevölkerung, so informiert der Baudezernent, betrage derzeit fast ein Drittel; Tendenz steigend.

Hinsichtlich einer städtebaulichen Entwicklung entwickeln sich daraus erkennbare Zeichen -- wie Verjüngung des Alters, Entberuflichung, Singularisierung, Feminisierung und Hochaltrigkeit – typische Merkmale für eine „neue Generation älterer Menschen“. Die Süddeutsche Zeitung umschreibt die mit dem demografischen Wandel verbundenen Chancen als „Die neue Kunst des Alterns“, vergisst aber auch nicht, auf den im „Pflegereport der Bertelsmann Stiftung“ prognostizierten Pflegebedarf und drohenden Pflegenotstand hinzuweisen. Die Kommunen, so Baudezernent Helmut Cybulska, müssen bereits heute den Grundstein legen, damit auch in den nächsten Jahren ein gutes Miteinander gesichert sein wird.

In seinen weiteren Ausführungen stellte Cybulska den Rosenheimer Altenplan vor, ging auf die Seniorenarbeit der Stadt ein und erläuterte deren Inhalte, die das übergeordnete Ziel „die Ermöglichung eines selbständigen und selbstbestimmenden Lebens in allen Lebenssituationen“ anstreben. Die Ausgangsituation ist, dass bundesweit 95 Prozent der 17 Millionen Über-65-Jährigen in ihren Wohnungen und Häusern verbleiben möchten. Für die „Urlaubs- und Ferienregion Rosenheim“ gilt das ganz besonders, ergo: für die Städteplaner heißt das: altersgerechter Um- und Neubau von Wohnungen (Barrierefreiheit), Betreutes Wohnen, bezahlbarer Wohnraum mit möglichst optimalen Versorgungsstrukturen für ambulante Pflegedienstleistungen, seniorengerechte Treffpunkte und Veranstaltungsorte, Vernetzung von Naherholungsstrukturen und fußläufige Einkaufsmöglichkeiten, etc. zu schaffen. Als zukünftiger („angedachter“) Standort für Betreutes Wohnen ist derzeit wieder einmal der Dauerbrenner „BayWa-Wiese“ im Gespräch.

Am Ende seines eloquenten und mit zahlreichen grafischen Darstellungen untermauerten Vortrages hatte Rosenheims „oberster Bauexperte“ seitens der recht fragefreudigen Seniorinnen und Senioren noch zahlreiche Fragen zu beantworten, ehe SEN-Vorsitzende Sieglinde Wunsam sich namens der Zuhörer beim Referenten und Baudezernenten mit einem kleinen Aufmerksamkeit bedankte. Text: J. Engelhardt

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